Auto-Import aus den USA. Drittland-Zuschlag, Technik-Nachweise, Einzelgenehmigung.
Tesla, Mustang, Pickup oder Veteran-Klassiker. US-Importe sind technisch und administrativ aufwändiger als EU-Importe. Was anfällt und wie der Reifenhai-Weg läuft.
Stand 2026-08-28
US-Fahrzeuge faszinieren. Mustang GT, Dodge Charger, Tesla Model S Plaid, Pickups wie der RAM 1500. Im US-Markt sind sie deutlich günstiger als in der EU. Der Weg in die Schweiz ist aber komplexer als der EU-Import. Drei Dinge entscheiden über den Endpreis.
1. Drittland-Status: kein EU-Gewährleistungs- oder MWST-Abkommen
Die USA gelten zollrechtlich als Drittland. Anders als EU-Importe:
- Kein Vorsteuerabzug auf den US-Kaufpreis. Bei einem Händlerkauf in den USA fällt keine MWST an, aber dafür greift die Schweizer MWST 8.1 Prozent auf den vollen Kaufpreis (kein Abzug).
- Zusätzliche Drittland-Pauschale. Reifenhai-Tarif: Drittland-Zuschlag CHF 2’000 bis 3’500 je nach Aufwand, abhängig von Schiffsroute und Zollabwicklung.
- Schiffstransport. USA-Ostküste (NYC, Baltimore) typisch CHF 1’800 bis 2’600 (RoRo) oder CHF 3’000 bis 4’500 (Container). Westküste (LA, Long Beach) teurer.
2. Technische Hürden: Abgas, EMV/Elektrosicherheit + Einzelgenehmigung
US-Fahrzeuge entsprechen FMVSS-Vorschriften (US-Bundes-Standard), nicht ECE-/EU-Normen. Für die Schweizer Zulassung braucht es:
- Abgasnachweis: US-Fahrzeuge erfüllen US-EPA-Werte, nicht automatisch die Schweizer Abgaslimits (VTS / EURO-Normen). Nachweis oder Nachrüstung nötig, Kosten typischerweise CHF 800 bis 1’500.
- EMV- und Elektrosicherheits-Nachweis (elektromagnetische Verträglichkeit; elektrische Sicherheit nach NEV, Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse). Bei E-Autos und modernen Verbrennern oft Pflicht.
- Einzelgenehmigung beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) oder kantonalem Strassenverkehrsamt. Erfordert technische Dokumentation, oft Hersteller-Bestätigungen.
- Umrüstungen: Beleuchtung von USA-Standard auf ECE (Tagfahrlicht, Blinker-Farbe gelb statt rot, Nebelschlussleuchte), Tachoumrechnung von Meilen auf km/h (oder Doppel-Tacho), Reifen mit ECE-Zertifizierung.
Reifenhai-Faustregel: Umrüstung + Tests + Einzelgenehmigung zusammen CHF 3’500 bis 6’000.
3. Veteran-Ausnahme: deutlich einfacher
Bei Fahrzeugen ab 30 Jahren entfallen NEV und EMV-Pflicht weitgehend. Veteranen-Klassiker aus den USA — frühe Ford Mustangs, Pontiac GTOs, Cadillac Eldorados — werden als historische Fahrzeuge eingestuft und über die Veteranen-MFK abgewickelt. Drittland-Zuschlag und Schiffsfracht bleiben, der technische Aufwand wird massiv kleiner.
Beim Veteranen-USA-Import:
- Kein Abgas-/EMV-Nachweis.
- Veteranen-MFK statt voller Einzelgenehmigung.
- Die Automobilsteuer fällt trotzdem an. Das Alter allein befreit nicht: AStG Art. 12 zählt die Befreiungsgründe abschliessend auf und kennt kein Veteranenkriterium. Steuerfrei bleibt ein Klassiker nur, wenn ihn das BAZG als Sammlungsstück der Position 9705 einreiht, und das ist ein Tarifentscheid mit engen Voraussetzungen. Beim 60’000-Franken-Klassiker sind das 2’400 Franken plus rund 195 Franken Einfuhrsteuer darauf.
- Keine CO₂-Sanktion, weil die Erstzulassung mehr als zwölf Monate zurückliegt.
- Schiffstransport + Verzollung bleibt.
Das ist der Klassiker-Pfad und der Grund, warum US-Klassiker in der Schweiz vergleichsweise oft anzutreffen sind.
4. Beispielkalkulation: Tesla Model S Plaid aus Kalifornien
Ein USA-Import besteht aus denselben Posten wie ein EU-Import, plus vier, die es dort nicht gibt:
- Seetransport statt Landtransport — er ist der grösste Einzelposten und hängt an Hafen, Verfahren (offen auf dem Deck oder im Container) und Saison
- Abgas- und EMV-Nachweis, weil US-Fahrzeuge nicht nach europäischer Norm geprüft sind
- Die umfassende technische Prüfung bei der kantonalen Zulassungsstelle. Nicht beim ASTRA, und nicht wegen einer fehlenden Typengenehmigung: Zum Eigengebrauch importierte Fahrzeuge sind davon ohnehin befreit (TGV Art. 4 Abs. 1). Der Grund ist ein anderer, und er hängt am Papier. Ohne EU-COC oder gleichwertigen Nachweis greift statt der Funktionskontrolle die umfassende Prüfung, bei der Abgas- und Geräuschvorschriften und die Betriebssicherheit geprüft werden (VTS Art. 31 Abs. 3). Das ist der teure Teil am US-Import
- Umrüstung — Tachometer mit km/h-Skala, Beleuchtung nach Schweizer Norm, je nach Fahrzeug weitere Punkte
Was das im konkreten Fall ergibt, rechnet der Importrechner mit den Posten aus, die auf eigenen Rechnungen stehen — und weist bei jedem aus, woher die Zahl kommt. Die vier Drittland-Posten oben sind darin nicht enthalten; sie hängen so stark am einzelnen Fahrzeug, dass eine Pauschale mehr verspricht, als sie halten kann.
Ob sich ein USA-Import lohnt, entscheidet sich am Ende an der Differenz zum Schweizer Marktpreis für dasselbe Modell mit vergleichbarem Kilometerstand — und daran, ob das Modell hier überhaupt zulassungsfähig ist.
5. Häufige USA-Modelle und ihre Eigenheiten
- Tesla Model S/X aus 2014 bis 2018: günstig im US-Markt, EMV-Test problemlos, Tacho-Umrechnung per Software-Setting. Hohe Ersparnis möglich.
- Ford Mustang GT, Ford F-150, Dodge Charger: NEV-Test kritisch wegen Verbrauch. PT 350 oft im Grenzbereich. Lautstärke beim Auspuff manchmal Anpassung nötig.
- Cadillac Escalade: schwer (>2.5t), Schiffstransport teurer. Brennstoffverbrauch über CH-Grenzwerten — CO₂-Sanktion realistisch.
- Veteranen-Klassiker (ab 30 Jahren): einfachster Pfad. Schiff, Verzollung, Veteranen-MFK.
6. Reifenhai-Vorgehen bei US-Importen
- US-Inserat prüfen, History-Report via Carfax oder AutoCheck.
- Vor-Ort-Inspektion über US-Partner-Inspekteure (PPI).
- Treuhand-Zahlung, Logistik bis zum US-Hafen.
- Schiff buchen, Versicherung, Transport bis Zürich oder Basel.
- Schweizer Zollanmeldung, NEV/EMV-Test, Einzelgenehmigung.
- Umrüstung in Truttikon (Beleuchtung, Tacho, Reifen).
- MFK + Zulassung beim kantonalen Strassenverkehrsamt.
Gesamtdauer typisch 8 bis 14 Wochen je nach Schifffahrtszeit und Behördenauslastung.
USA-Import nur mit klarer Offerte starten
Aus den USA importieren lohnt sich vor allem bei stark gefragten Modellen mit hohem CH-Marktpreisaufschlag. Reifenhai macht zuerst eine vollständige Range-Kalkulation und entscheidet danach gemeinsam mit dem Kunden, ob der Import wirtschaftlich Sinn macht.
Importrechner mit USA-Vorauswahl: /tools/importrechner.
